Framing: Podcast Podcast #28: Framing Flesh and Fluids

Ende August 2026 war ich in Framing-Podcast eingeladen, um mit Eli Lewy und Till Kadritzke über Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ zu sprechen, der zugleich Slasher-Film, Genre-Reflexion und die Geschichte einer Befreiung ist. Im Zentrum stehen Hannah Einbinder als junges Regie-Talent, Gillian Anderson als ultimatives Final Girl und ein lustvoller kleiner Tod.

Ihr könnt die Episode hier oder fast überal, wo es Podcasts gibt, nachhören:
https://steady.page/de/framing/posts/190ac066-236d-4b9b-9d22-6d9bf3b011b2

Werkporträt Jane Schoenbrun

Mit nur zwei Filmen ist Jane Schoenbrun zur Kultfigur für Filmnerds und die queere Crowd aufgestiegen. Der neue, »Teenage Sex and Death at Camp Miasma«, startet jetzt. Über ein Universum, in dem Bildschirme und Popkultur eine große Rolle spielen

Der Auftakt von Jane Schoenbruns aktuellem Film hat es in sich: In einer der ersten Einstellungen wird ein Mensch mit einem gezielten Hieb um seinen Kopf erleichtert, und aus der klaffenden Halswunde eruptiert eine grellrote Blutfontäne meterhoch in den Nachthimmel. Diese Opulenz deutet sich bereits im Titel an: Das Wort Miasma – das im Altgriechischen Besudelung bedeutet und in der antiken Medizin des Hippokrates für die Lehre von aus dem Boden aufsteigenden Krankheitserregern etabliert wurde – kündet nicht nur von Schmutz im epidemiologischen Sinn, sondern trägt auch die Verheißung von bewusst verspritzten Körpersäften und schmutzigem Sex in sich. Tatsächlich geht es in »Teenage Sex and Death at Camp Miasma«, mit dem Jane Schoenbrun bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes die Queer Palm gewann, um nichts Geringeres als Sex, Tod und wie beides miteinander zusammenhängt. Aber um das in seiner Komplexität zu verstehen, muss man ein bisschen zurückblenden.

Schoenbrun, geboren 1987 im New Yorker Stadtteil Queens, ist Filmemacher*in und bevorzugt genderneutrale Pronomen. Aufgewachsen in einer jüdischen Familie als älteste von drei Geschwistern, ist dey von der Popkultur der 1990er und frühen 2000er Jahre ästhetisch und thematisch geprägt. »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« ist Schoenbruns dritter Langfilm und beendet eine »Screen Trilogy«, die mit dem Debüt »We’re All Going to the World’s Fair« (2022) begann und mit »I Saw the TV Glow« (2024) fortgesetzt wurde. Screens – also Bildschirme – spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die zunehmend ephemer werdende Grenze zwischen Realität und Fiktion innerhalb der Diegese. Flackernde Röhrenfernseher, der Widerschein eines Desktops, der das Gesicht der User beleuchtet, im Dunkeln fluoreszierende Bemalungen und Nebel oder das Projektorlicht im Kinosaal prägen die Ästhetik der gesamten Trilogie, die sich rückwärts durch die Mediengeschichte, Filmhistorie und Popkultur bewegt. Mit einem spezifischen Mix aus Nerd-Sensibilität, visueller Poesie, erzählerischem Erfindungsreichtum und Mut zu Grusel und Splatter hat sich Schoenbrun zur Kultfigur von Außenseitern und der queeren Crowd entwickelt.

Teil 1: Allein im Dunkeln

m Debüt »We’re All Going to the World’s Fair« geht es um die Teenagerin Casey (Anna Cobb), die an einer Internet-Challenge teilnimmt, wie sie Anfang der 2000er in mannigfacher Variation im Netz kursierte. Um die Challenge anzutreten, muss Casey dreimal den Satz »We’re all going to the World’s Fair« sagen, sich in den Finger stechen und in den folgenden Wochen und Monaten Videos posten, in denen sie Veränderungen an ihrem Körper und Geist dokumentiert. Die virtuelle Variante eines Rollenspiels, bei dem die Teilnehmenden eine Gruselgeschichte oder urbane Legende weiterspinnen, im Netz Creepypasta genannt (auf einer solchen basiert auch der Horrorhit »Backrooms«), wie sie früher analog am Lagerfeuer im Feriencamp erzählt wurde. Schoenbrun ist in dieser Welt aufgewachsen und hat vor dem Schreiben von Drehbüchern viel Fanfiction verfasst, etwa zur Kultserie….

Der vollständige Text ist erschienen in epd Film (08/2026) und hier online in voller Länge abrufbar.

Ziemlich netter Typ: Stephen Graham

Als Nebendarsteller hat Stephen Graham Gangster, Neonazis und Psychopathen gespielt, die im Gedächtnis blieben. Spätestens seit seinem Erfolg mit »Adolescence« bekommt er auch in der ersten Reihe die Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient

Gauner, Kleinkriminelle, Mörder, Neonazis, Psychopathen – Stephen Graham hat sie alle gespielt. Wer Gangsterfilme mag, kennt sein Gesicht. Lange war er einer dieser Nebendarsteller, die überall mitspielen, die man sofort wiedererkennt – nur der Name fällt einem partout nicht ein. Das liegt nicht an mangelndem Charisma und erst recht nicht an seinem Talent, denn der 1973 in Liverpool geborene Schauspieler ist einer der besten und nuanciertesten britischen Schauspieler der letzten 25 Jahre. Seit dem Erfolg der One-Shot-Netflix-Sensation »Adolescence« 2025, für die er das Drehbuch schrieb, die er produzierte und in der er die Rolle des Vaters übernahm, ist sein Name ein Begriff.

Die Berufung zum Schauspieler ereilte Graham früh. Seine erste Rolle spielte er mit zehn Jahren in der Schultheaterproduktion »Die Schatzinsel«, als Teenager trat er in Produktionen des Everyman Theatre auf, unter anderem beim renommierten Edinburgh Festival. In den 1990er Jahren war er in einigen britischen TV-Serien zu sehen, unter anderem in zwei Episoden der Kinder-Krankenhausserie »Children’s Ward«. Nach seinem Schulabschluss besuchte er das Rose Bruford College in London, das auch Gary Oldman absolviert hat. Erste größere Filmrollen übernahm Graham 2000 in Guy Ritchies »Snatch« – wo er als tapsig-naiver Sidekick von Jason Statham seine selten gezeigte komödiantische Seite offenbart – und in Martin Scorseses »Gangs of New York« (2002).

Das Abgründige, auch körperlich Brachiale steht Graham einfach zu gut. Größere Bekanntheit erlangte er mit genau einer solchen Rolle: In »This Is England« (Shane Meadows, 2006) bringt er als Combo, der nach drei Jahren Haft und nationalistisch radikalisiert zurück in seine Heimatstadt kommt, die Dynamik einer friedlichen Skinhead-Gruppe durcheinander. Oft zitiert wird sein rassistischer Monolog, in dem jedes seiner Worte, die er wie Gift und Galle ausspeit, beängstigend glaubwürdig wirkt. Dabei überzeugt er vor allem in den emotional leisen Momenten. Combos harte Fassade bröckelt, wenn er behutsam den zwölfjährigen Shaun unter seine Fittiche nimmt oder Skinhead-Girl Lol seine Liebe gesteht….

Der vollständige Text ist erschienen in epd Film 05/2026 und online hier abrufbar.

Thementext epd film: Summer in the City

Ferien, Wasser, like ice in the sunshine – die eine Seite des Sommers. Die andere hatte schon vor der Klimakrise eine­ große Tradition im Hollywoodkino. Hitze in urbanen Zentren wirkt als Ka­talysator der ­Handlung, ist Metapher für ­gesellschaftliche Spannungen und ein beliebter ­Vorwand, mehr oder minder nackte Frauen zu zeigen.

Ende Juni 2025, die erste Hitzewelle des Sommers rollt über Deutschland. Ein Balkon mitten in einer Großstadt im Ruhrgebiet, Südseite, 20:30 Uhr. Das Thermometer zeigt selbst in der Abendsonne noch 38 Grad. Ich lasse meinen Blick durch den Innenhof schweifen und muss an Alfred Hitchcock denken . . .

»Rear Window« natürlich, »Das Fenster zum Hof« von 1954. Hitchcock eröffnet seinen Film, indem er das Publikum die Perspektive aus einem Fenster in einen New Yorker Innenhof einnehmen lässt. Es ist zugleich der Blick des Protagonisten, des seit sechs Wochen durch ein gebrochenes Bein zur Untätigkeit verdammten Fotografen L. B. »Jeff« Jefferies (James Stewart). Per Schwenk erkundet die Kamera die Umgebung und zeigt uns nicht nur, was Jeff von seiner Position aus beobachten kann, sondern auch alles, was der Sommer in der Stadt so an Malaise mit sich bringt: Das Leben spielt sich notgedrungen auf Balkonen oder hinter weit geöffneten Fenstern ab. Privatsphäre? Fehlanzeige. Ein Paar verlegt sogar sein Schlafzimmer in der Hoffnung auf nächtliche Abkühlung auf den Balkon. Die meisten sind nur spärlich bekleidet, alle schwitzen, die Reizbarkeit ist insgesamt erhöht – sowohl gegenüber den Liebsten, denen man kaum entkommt, als auch gegenüber den Nachbarn, deren Leben unangenehm nah in die eigene Intimsphäre einzudringen scheinen. 

Der Sommer im Film – er kann wunderbar sein. Wenn er endlos scheint und die unbeschwerten letzten Wochen vor dem Erwachsenwerden beschreibt. Wenn er am Strand, in einem Landhaus oder Freibad erlebt wird oder im Zeichen einer flirrenden Romanze steht. Um diese Art von Sommer geht es hier nicht. Denn »Summertime and the living is easy« gilt eben nicht für alle Gefilde, besonders nicht für die urbanen Moloche, konstruiert aus unerbittlichem Beton und Stahl. Hier geht es um Filme, die in Großstädten spielen und deren Bewohner*innen – anders als auf dem Wüstenplaneten Dune, in der postapokalyptischen Einöde von »Mad Max« oder in Filmen aus tropischen Kulturkreisen – nicht an diese Temperaturen gewöhnt sind. Es geht um Filme, die das Blut zum Kochen, den Asphalt zum Simmern und die Menschen zum Durchdrehen bringen. Hitze verstärkt die Konflikte des Großstadtdschungels. Sie ist das Brennglas, das ein sadistischer Gott auf die Menschheit richtet, wie ein grausames Kind auf einen Haufen Ameisen….

Der Text ist in der Printausgabe von epd Film (08/2025) erschienen und online hier abrufbar.

Nachruf: Michael Madsen (25.9.1957 – 3.7.2025)

Er steht einfach nur da. Ein 1,88 Meter großer Hüne in schwarzem Anzug und Krawatte, lässig an eine Säule gelehnt, irgendwo in einem leerstehenden Lagerhaus. Unbeeindruckt beobachtet er zwei Männer, die sich prügeln, und schlürft dabei einen Softdrink. Dann schaut er lässig über den Rand seiner Sonnenbrille, beide Brauen skeptisch hochgezogen. Die Rolle des Psychopathen Mr. Blonde in Quentin Tarantinos Debüt »Reservoir Dogs« hat Michael Madsen weltberühmt gemacht, vor allem die Sache mit dem Ohr. Eigentlich wollte er unbedingt Mr. Pink spielen, um nicht von einem Nobody wie Tim Roth alias Mr. Orange abgeknallt zu werden. Das hatte er aus den Western und Klassikern gelernt, in denen seine Helden Robert Mitchum, Humphrey Bogart oder James Cagney stets einen glorreichen Tod starben. 

Als Sohn einer Dokumentarfilmerin und eines Feuerwehrmanns in Chicago geboren, verbrachte Madsen eine turbulente Jugend dort inklusive kleinerer Vergehen. Für die Schauspielerei interessierte er sich spätestens nach Besuch einer Inszenierung in der damals noch unbekannten Steppenwolf Theatre Company, wo er auch John Malkovich kennenlernte. Madsens Vater war davon wenig begeistert: »Weißt du, wie die Chancen stehen, es als Schauspieler zu schaffen? 1 zu 10 Millionen.« Madsen ließ sich nicht entmutigen und folgte Anfang der 1980er seiner Schwester, der Schauspielerin ­Virginia Madsen, nach L.A., wo er, um über die Runden zu kommen, an einer Tankstelle in Beverly Hills Stars wie Fred Astaire bediente. Nach seinem ersten nennenswerten Leinwandauftritt in »War Games 1983«, TV-Serien (»St. Elsewhere«, »Cagney & Lacey«, »Miami Vice«) und kleineren Filmrollen (»Der Unbeugsame«, »The Doors« und »Thelma & Louise«) folgte 1992 »Reservoir Dogs«. Tarantino schrieb ihm danach auch die Hauptrolle in »Pulp Fiction« auf den Leib. Die verhalf dann John Travolta zum Comeback, weil Madsen vertraglich schon an »Wyatt Earp« gebunden war, der floppte. Trotz Karriereknicks in den 1990ern drehte Madsen zeitlebens enorm viel. IMDb listet 344 Schauspielrollen auf, darunter viele B-Movies, die es nie ins Kino schafften. Madsen, der insgesamt drei Mal verheiratet war (zuerst mit Chers Halbschwester), sechs Kinder hatte und bis zuletzt in Malibu wohnte, machte nie einen Hehl daraus, dass er Rechnungen bezahlen und seine Familie versorgen müsse. Er erledigte die Jobs, die es für ihn gab.  

Die Zeit, die er allein auf Flügen, in Hotels und in Trailern an Filmsets verbrachte, nutzte er, um Gedichte zu schreiben, beeinflusst von Hemingway, Kerouac oder Bukowski. Außerdem lieh er seine markante Stimme, die nach Whisky, Tabak und Wehmut klang, Figuren in Animationsfilmen oder Computerspielen. Auch wenn er selbst besonders stolz auf seine Performance als alleinerziehender Vater in dem wenig beachteten »Strength and Honour« (2007) war, bleiben seine besten Rollen eng mit Tarantino verbunden. Als Bills Bruder Budd in »Kill Bill« oder mysteriöser Cowboy Joe Gage in »The Hateful Eight« alterte Madsen »on screen«, wirkte vom Leben gegerbt, den Stetson tief ins Gesicht gezogen. Sein typisches Grinsen – in dem sich Charme, Spott und eine Prise Wahnsinn beunruhigend vermischten – blieb. Genau wie die Nostalgie, die ihn umgab, als stamme er aus einer anderen Ära. 

Wer zu Tarantinos Inventar gehörte, musste sich Ende 2017 auch zum Fall Harvey Weinstein äußern. Madsen tat das offen, bezeichnete Weinsteins Praktiken als monströs und merkte lakonisch an, in Hollywood hätten davon schon immer alle gewusst. Ironischerweise eilte Madsen selbst der Ruf voraus, ein »American Badass« (so auch der Titel eines seiner Lyrikbände und seiner eigenen Hot-Sauce-Marke) zu sein. Er nährte es als Biker, durch einen schmutzigen Scheidungskrieg mit seiner zweiten Ehefrau und diverse Verhaftungen wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss in Teilen selbst. Seine Schwester erzählte, sie sei in der Branche nie schlecht behandelt worden, weil alle Angst vor ihrem großen Bruder hatten. Madsen arrangierte sich damit und schloss auch Frieden mit Mr. Blonde. Trotzdem hätte er gern noch Dirty Harrys Sohn, Batman oder einen romantischen Helden gespielt. Bis zuletzt beklagte er in Interviews die Fantasielosigkeit von Casting Agents: »I’m a leading man trapped in a bad guy’s body. I want to ride into the sunset with a girl.«

Erschienen in epd Film 08/2025 und online hier.

Filmkritik: Milch ins Feuer

Lakonie trifft Sinnlichkeit: Drei ­Generationen von Bäuerinnen ­zwischen ländlichem Alltag, Arbeit und Zukunftsplanung

Das deutsche Kino hat nicht zu Unrecht den Ruf, spröde zu sein. In Justine Bauers Debüt »Milch ins Feuer« mischt sich diese Eigenschaft mit einer bildsprachlichen Sinnlichkeit und einer guten Portion Lakonie. Es ist die Geschichte eines Sommers auf dem Land, bei dem verschiedene Generationen von Bäuerinnen im Mittelpunkt stehen. Katinka (Karolin Nothacker) ist gerade mit der Schule fertig und will Bäuerin werden, so wie ihre Mutter (Johanna Wokalek) und ihre Oma (Lore Bauer) vor ihr. Die Mutter sieht in der sich immer weniger auszahlenden Landwirtschaft allerdings keine Zukunft und wünscht sich für ihre Töchter ein anderes Leben. Katinka packt trotzdem beim Kühemelken, beim Einfahren des Heus oder beim Kastrieren der Lamas mit an. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihren beiden jüngeren Schwestern und ihrer Freundin Anna (Pauline Bullinger) meistens am Teich, wo sie Abkühlung suchen. Anna ist ungewollt schwanger und überlegt, was aus ihr werden soll. Dazwischen passiert einiges, aber nichts, was die landwirtschaftlichen Kreisläufe durcheinanderbringen oder gar unterbrechen könnte. 

Regisseurin Justine Bauer weiß, wovon sie erzählt. Sie ist auf einer Straußenfarm aufgewachsen, kennt sich in der Landwirtschaft aus und wollte auch die Krise, in der sich diese befindet, nicht aussparen. Zu ihrem präzise beobachtenden Blick trägt die mutige Entscheidung bei, ihre Figuren Hohenlohisch sprechen zu lassen. Johanna Wokalek arbeitete dafür mit einem Dialektcoach und fügt sich hemdsärmelig und zupackend in den mehrheitlich aus Laien bestehenden Cast ein. Die Darstellerin der Katinka fand Bauer durch einen Aufruf in einer Lokalzeitung. Ihre Schwestern…..

Ganze Kritik auf epd Film online lesen (zuerst in Print erschienen in epd Film 08/25)

Filmkritik: Memoiren einer Schnecke

Mit Akribie, Einfallsreichtum und skurrilen Figuren erzählt dieser »Claymationfilm« die berührende Lebensgeschichte eines australischen Zwillingspaars für ein erwachsenes Publikum

Swingende Adoptiveltern (die Musikrichtung ist hier nicht gemeint), Nudistencamps, Schimpfworte, religiöser Fanatismus, Fetische, Alkoholismus, Kleptomanie und fickende Meerschweinchen – Adam Elliots neuer Animationsfilm »Memoiren einer Schnecke« ist wirklich nichts für Kinder – oder allzu zartbesaitete Erwachsene. Was aufgeschrieben nach purer Provokation klingt, entfaltet sich auf der Leinwand zu der wunderbar aufrichtigen, von vielen Schicksalsschlägen geprägten Geschichte der Zwillinge Grace und Gilbert.

Nachdem die Mutter im Kindbett stirbt, gibt der Vater von Grace und Gilbert sein Bestes. Trotz Armut und Alkoholabhängigkeit versucht er, ihnen ein sorgloses Leben zu ermöglichen. Als auch er stirbt, werden die beiden Geschwister getrennt. Grace wird in Canberra bei einem herzensguten Ehepaar untergebracht, mit dem sie jedoch nie ganz warm wird. Gilbert landet bei einer fundamental christlichen Farmersfamilie, in der er hart arbeiten und ständig beten muss. Über die Jahre schreiben sich die beiden Briefe und sehnen ein Wiedersehen herbei. Grace füllt die Leere, die der Bruder hinterlassen hat, mit dem erratischen Sammeln von Schnecken in jeder Form. Bis sie Pinky kennenlernt, eine exzentrische ältere Frau, die sie unter ihre Fittiche nimmt….

Ganze Kritik online bei epd Film lesen (zuerst erschienen in Print 07/2025)